Année franco-allemande

Semaine franco-allemande de la science et des Alumni: discours de Johanna Wanka

Lancement de la semaine franco-allemande de la science© M.E.S.R./X.R. Pictures

Dans le cadre du 50e anniversaire du Traité de l'Elysée, Johanna Wanka, ministre fédérale de l'Enseignement supérieur et de la Recherche, s'est exprimée lors de l'inauguration de la Semaine franco-allemande de la science et des Alumni le 15 avril à l'Académie des sciences.

Discours - 15.04.2013

50 Jahre deutsch-französische Zusammenarbeit im Rahmen des Élysée-Vertrags – das sind 50 Jahre gelebte Partnerschaft und Verständigung zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger nicht nur unserer Länder, sondern in ganz Europa.

Im Januar gedachten die Französische Nationalversammlung und der Deutsche Bundestag dieser epochalen Wende in unseren Beziehungen mit einer Feierstunde im Berliner Reichstagsgebäude. Der Élysée-Vertrag markiert den Ausgangspunkt für die Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs nach Jahrhunderten der Rivalität. Noch immer – und im wahrsten Sinne des Wortes –  bietet uns dieser Vertrag „grenzenlose Chancen“. Und ich finde, von diesem Jubiläum können auch Impulse ausgehen für die Wissenschaft und für unsere wissenschaftliche Zusammenarbeit.

In seiner berühmt gewordenen „Ansprache an die Jugend“ sagte der französische Staatspräsident Charles de Gaulle 1962 im Hof des Ludwigsburger Schlosses: „Es geht darum zu wissen, ob der Mensch in den Umwälzungen zu einem Sklaven in der Kollektivität werden wird, oder nicht; ob sein Los ist, von dem ungeheuren Ameisenhaufen angetrieben zu werden, oder nicht; oder ob er die materiellen Fortschritte beherrschen kann und will, um damit freier und besser zu werden.“ Das sind Worte, die in den vergangenen 50 Jahren nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben.

Wenn wir uns nicht in den Umwälzungen einer sich verändernden Welt verlieren wollen, wenn wir Wandel aktiv gestalten wollen statt sich uns ihm ergeben auszuliefern, dann brauchen wir Wissenschaft und Forschung. Und wir brauchen gemeinsame Wissenschaft und Forschung.
Ich freue mich deshalb besonders, heute hier im Palais de l’Institut de France, an diesem ehrwürdigen und traditionsreichen Ort der Wissenschaft und Gelehrsamkeit, mit Ihnen, Frau Ministerin Fioraso, die Deutsch-Französische Wissenschaftswoche zu eröffnen.

 

Die Zusammenarbeit deutscher und französischer Wissenschaftler hat eine lange und gute Tradition: Anfänglich waren es noch einzelne Begegnungen herausragender Wissenschaftler wie Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland, Joseph Louis Gay-Lussac und Justus von Liebig, Albert Einstein und Paul Langevin, Max Planck und Louis de Broglie, die zu ihrer Zeit, wissenschaftlichen Austausch und Freundschaften pflegten oder gar gemeinsame Expeditionen in unbekannte Welten unternahmen.
 

Seit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags sind wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung ein integraler Bestandteil der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Diese Kooperation ist fest in Europa verankert. Wichtige europäische Projekte – ich nenne die Luft- und Raumfahrt mit dem prominenten Beispiel des Airbus oder die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit dem Institut Max von Laue-Paul Langevin in Grenoble – haben ihre Wurzeln in der deutsch-französischen Forschungskooperation.

Die Spannweite der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung geht heute aber weit über einzelne Großprojekte hinaus: Sie reicht von der Vernetzung einzelner Forscherinnen und Forscher über gemeinsame Studiengänge bis hin zum Austausch des wissenschaftlichen Nachwuchses. Sie erstreckt sich von Projektpartnerschaften über gemeinsam durchgeführte Kooperationen zwischen Industriekonsortien bis hin zur Zusammenlegung finanzieller Ressourcen im großen Maßstab.

Heute – 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags – arbeiten rund 400 französische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in partnerschaftlich verbundenen Instituten in Deutschland und ebenso viele deutsche Wissenschaftler in Frankreich. Auch unsere gemeinsamen Forschungseinrichtungen und die von den Ministerien und Forschungsorganisationen entwickelten Fachprogramme leisten einen wichtigen Beitrag zu der so erfolgreichen deutsch-französischen Wissenschaftskooperation.

Ähnlich intensiv ist unsere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene: Deutschland ist Frankreichs wichtigster Partner bei Forschungsarbeiten im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms. In mehr als 2.600 Projekten des Programms arbeiten Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen beider Länder zusammen. In mehr als drei Viertel der Verbundprojekte mit französischer Beteiligung sind auch deutsche Partner involviert.

Die Zusammenarbeit deutscher und französischer Partner erhöht die Erfolgschancen der Projekte hinsichtlich einer solchen Förderung nicht nur. Die Stärke der deutsch-französischen Kooperation im EU-Forschungsrahmenprogramm wird auch darin deutlich, dass die EU-Kommission mehr Mittel für Projekte mit gemeinsamer deutsch-französischer Beteiligung bereitstellt, als für Projekte, die unabhängig voneinander in Kooperationen mit Partnern anderer Länder durchgeführt werden.

Ebenso beeindruckend ist die Zahl der gemeinsamen Publikationen: Im Vergleich mit den Steigerungsraten der jeweiligen nationalen Publikationen ist der prozentuale Anstieg bei den deutsch-französischen Co-Publikationen deutlich höher.

All diese Beispiele zeigen, dass wir, indem wir unsere Forschungs- und Förderstrukturen noch enger aufeinander abstimmen und vernetzen, auf dem richtigen Weg sind. Diesen Weg wollen wir gerne so erfolgreich weitergehen.

 

Die Generation Adenauers und de Gaulles hat das Fundament gelegt für die Aussöhnung zwischen unseren beiden Ländern. Wir haben uns an dauerhaften Frieden, Freundschaft und Zusammenarbeit in einer Europäischen Union demokratischer Staaten gewöhnt.

1963, als de Gaulle und Adenauer den Freundschaftsvertrag unterzeichneten, war die erste Nachkriegsgeneration noch nicht einmal volljährig. Mittlerweile sind die ersten von ihnen schon im Ruhestand. In den Händen ihrer Enkel – die heute die Schulen und Universitäten besuchen und Berufsausbildungen in Betrieben erfahren – liegt, was einmal aus dem großen Vermächtnis der Freundschaft zwischen unseren Ländern werden wird.

Es ist an uns, den politisch Handelnden, alles dafür zu tun, um den jungen Menschen in unseren Ländern eine gute berufliche Zukunft zu ermöglichen, ihnen Perspektiven für ihr Leben aufzuzeigen.

Ja, unsere Nationen haben bei Bildung und Forschung unterschiedliche Traditionen. Das sind aber keine Schranken. Wir sollten die Unterschiede gegenseitig fruchtbar machen und gewinnbringend nutzen. Wir profitieren alle von dem Austausch unserer Erfahrungen und unseres Wissens. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir diesen Austausch offen pflegen.
 

Wie in der Podiumsdiskussion ganz deutlich wurde: Eine bilinguale Ausbildung, ein Doppel-Diplomstudium und – wenn möglich – eine doppelbetreute Promotion sind hervorragende Voraussetzungen für eine gemeinsame, erfolgreiche Forschung mit den Partnern im Nachbarland.

Das hat am vergangenen Donnerstag auch die Konferenz zum „Programme Inter Carnot Fraunhofer“ in Berlin gezeigt. Die Fraunhofer-Carnot-Zusammenarbeit ist ein Musterbeispiel für die bilaterale Kooperation zwischen den anwendungsorientierten Forschungsorganisationen Deutschlands und Frankreichs. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Weichen für einen dauerhaften Erfolg dieses deutsch-französischen Kooperationspaares gestellt haben und damit auch einen Beitrag zu einem langfristigen wirtschaftlichen Erfolg unserer Länder leisten.

Forschung, Entwicklung und Innovation sind eine „Conditio sine qua non“ für eine neue Wachstumsdynamik, für Wohlstand, wettbewerbsfähige Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und nachhaltige Entwicklung in unseren beiden Ländern und in Europa.
 

 

Die Innovationskraft einer Gesellschaft ist der Schlüssel für die internationale Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaft. Der kürzlich von der Europäischen Kommission vorgelegte Innovationsleistungsindex hat einmal mehr gezeigt: Die Motoren für erstklassige Entwicklungen und erfolgreiche Markteinführung dieser Produkte, Verfahren und Dienstleistungen – das sind der Mittelstand und exzellente Rahmenbedingungen für Forschung. Heute stammt nahezu die Hälfte aller Ausgaben für FuE in der EU von deutschen und französischen Unternehmen und Steuerzahlern.

In Deutschland haben wir in den vergangenen Jahren konsequent einen Schwerpunkt unseres Regierungshandelns auf das Innovationsgeschehen gelegt. Mit unserer Hightech-Strategie nehmen wir das Ganze in den Blick. Die Strategie formuliert konkrete forschungspolitische Leitbilder und Missionen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Sie verbindet Wissenschaft und Wirtschaft. Dieser erfolgreiche Ansatz hat Eingang in die europäische Innovationsstrategie und das neue Forschungsrahmenprogramm gefunden. Dieser Schwerpunkt ist entscheidend für Europa.
Wir brauchen mehr Kooperationen – innerhalb der Wissenschaft und zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Denn das Neue entsteht an den Schnittstellen von Technologien und Disziplinen. Deshalb führt an der engen Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft kein Weg vorbei.
Von diesem Austausch profitieren beide Seiten. Die Forschungsorganisationen haben längst ein ausgeprägtes Gefühl dafür entwickelt, dass auch sie die Initiative ergreifen müssen – genug Freiraum dafür haben sie. Und wo sie in diesem Freiraum an Grenzen stoßen, wissen sie, dass ihnen die Politik zur Seite steht, um weiterführende Ideen zu verwirklichen.

Mit Blick auf die Zahl von sieben Kooperationsvereinbarungen, die nun unterzeichnet werden, ist dies der Moment, um Ihnen – den Wissenschaftlern und Forschern beider Länder – für Ihre Arbeit zu danken und Sie in Ihrem Engagement zu bestärken.

Ich bin überzeugt davon: Europa muss auf- und ausgebaut werden auf der Grundlage exzellenter wissenschaftlicher Arbeit, um seine Spitzenposition im globalen Wettbewerb zu behaupten. Dafür braucht es auch weiterhin die enge und vertrauensvolle Wissenschaftszusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich – als „entente élémentaire“ in Europa.

Lassen Sie uns die erfolgreiche Tradition fortführen und intensivieren – so bieten sich noch viele Chancen für uns und unsere Partnerschaft.

1ère publication : 15.04.2013 - Mise à jour : 17.04.2013

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